aus 7/2000 ARBEITSRECHT IM BETRIEB 389 Abb. 2:
Katalog der 100+… Mobbinghandlungen
(von Dr. M. Wolmerath)
1. Angriffe gegen die Arbeitsleistung und das
Leistungsvermögen
— Sabotage: Beschädigung, Diebstahl, Manipulation von
Arbeitsmitteln
— „Unterschlagung“ von Arbeitsergebnissen (z. B. Unterlagen,
Dateien sind „weg“)
— Manipulation von Arbeitsergebnissen (z. B. gezielt Fehler
ein-fügen)
— Erzeugen von Störungen (z. B. unsinnige Telefonate,
Unterbrechungen)
— Vorenthalten und/oder Fälschen von arbeitsrelevanten
Informationen
— Gezielte Unterdrückung von Informationen über Besprechungen,
(End-)Terminen
— Anordnung von sinnlosen Tätigkeiten (z. B. ausgemusterte
Ordner sortieren)
— Anordnung, keine Tätigkeit während der Arbeitszeit auszuüben
— Anordnung von systematisch überfordernden Tätigkeiten
— Zuweisung von Arbeiten, die der Betroffene nicht mag oder die
ihm nicht „liegen“
— Zuweisung von objektiv zu viel Arbeit („Zuschütten“)
— Willkürlich auf liegengebliebener Arbeit (z. B. wegen Urlaub,
Betriebsratstätigkeit) sitzen lassen
— Ungünstige Lage des Arbeitsplatzes (z. B. laut, Störungen,
ungeschützt, exponiert)
— Anordnung von systematisch unterfordernden Tätigkeiten
— Anordnungen so gestalten, dass unvermeidlich Fehler gemacht
werden
— Manipulierte Arbeitszuweisung (z. B. nur unbeliebteste,
schlechteste, schmutzigste)
— Kappen üblicher Informationskanäle (z. B. kein Telefon, kein
Fax, keine E-Mail)
— Blockade von gemeinsamer Tätigkeit („Mit dem nicht!“)
— Verweigerung von Hilfe, Unterstützung, Rat (obwohl es möglich
wäre)
— Überraschendes Zurückziehen von verbindlich zugesagter
Unterstützung
— Geistiger Diebstahl, Aneignung von Arbeitsergebnissen
— Beschneidung der Zuständigkeit (z. B. fachlich unberechtigt,
willkürlich)
— Dienst nach Vorschrift (z. B. gezieltes Nicht-Mitdenken,
gezielte Unflexibilität)
— Entscheidungen oder Kompetenzen werden permanent ange-zweifelt
— Anweisungen werden (offen oder verdeckt) nicht ausgeführt
oder sabotiert
— Anweisungen werden wortwörtlich ausgeführt (offensichtliche
Fehler einbezogen)
— Willkürlich erzeugter Zeitdruck
— Überraschungsangriffe (z. B. plötzliche Änderungen der
Arbeitsaufträge, Termine)
— Ständige Entmutigung
2. Angriffe gegen den Bestand des Beschäftigungsverhältnisses
— Behaupten von Fehlverhalten (z. B. Urlaubszettel
„verschwindet“)
— Fehler und negative Vorfälle werden Betroffenem in die Schuhe
geschoben
— Willkürliche Abmahnungen (d. h. die Gründe werden an den
Haaren herbeigezogen)
— Willkürliche Umsetzung und/oder Versetzung (sowie Versuche
dazu)
— Willkürliche Kündigung(en) (d. h. die Gründe werden „an
den Haaren“ herbeigezogen)
— Manipulation der Arbeitszeiterfassung
— Strafbare Handlungen werden unterstellt (z. B. Diebesgut wird
untergeschoben)
— Berufliche Qualifikation wird ständig in Frage gestellt
— Willkürliches Zurückhalten des Entgelts (z. B. Urlaubsgeld,
Spesen)
— Absichtlich schlechte berufliche Beurteilung; Behauptung von
Schlechtleistungen
— Betrieblich übliche Beförderungen, angestrebte Position
werden blockiert
— Fort- und Weiterbildungsvorhaben werden gezielt behindert
3. Destruktive Kritik
— Demütigende, unsachliche, überzogene, gnadenlose Kritik
— Aufbauschen einzelner Vorfälle oder Fehler („Maus zum
Elefanten machen“)
— Generalisierung von Fehlern; pauschale Kritik (z. B.: „Sie
machen alles falsch!“)
— Kritik von Fehlern, die durch Anweisungen des Mobbers
provoziert wurden
— Ständige (harsche) Kritik
— Unterdrückung von Verbesserungsvorschlägen und -bemühun-gen
— Ständige Entmutigung; Ausbremsen der Motivation (z. B.:
„Das schaffen Sie nie!“)
4. Angriffe gegen die soziale Integration am
Arbeitsplatz
— Räumliche Isolation (z. B. abgelegener Arbeitsplatz)
— Unterdrückung von Meinungsäußerungen des Betroffenen (z. B.
„Mund verbieten“)
— Gespräche hinter dem Rücken (z. B. Tuscheln, Tratschen, Gerüchte
verbreiten)
— Anspielungen, zweideutige Bemerkungen
— Engagement des Betroffenen wird als getarnter Egoismus
diffamiert
— Mögliche Bündnispartner, Freunde des Betroffenen werden
versetzt
— Mögliche Bündnispartner, Freunde des Betroffenen werden
eingeschüchtert
— Ausschließen aus der Alltagskommunikation („Wie Luft
behandeln“)
— Ausschließen aus informellen/geselligen Treffen („Tür-Zu-Methode“)
— Ausschließen aus üblichen gegenseitigen Freundlichkeiten im
Kollegenkreis (z. B. Brötchen
oder Süßigkeiten mitbringen, Kaffee
kochen, Blumen gießen)
— Demonstratives Schweigen im Beisein des Betroffenen
— Ignorieren von Fragen, Gesprächswünschen, Hilfeersuchen,
Kooperationsangeboten
— Demonstrativ aus dem Weg gehen, nicht an einem Tisch sitzen,
in einem Raum sein
5. Angriffe gegen das soziale Ansehen im Beruf
— Gezielte Verleumdung, Rufmord in der betrieblichen Öffentlichkeit
— Gerüchte verbreiten oder gezielt weiterleiten
— Dem Betroffenen wider besseren Wissens Böswilligkeit/Fahrlässigkeit
unterstellen
— Provokation, um die emotionale Reaktion des Mobbingbetroffenen
auszuschlachten
— Beleidigung und Demütigung im Beisein Dritter
— Verraten von persönlichen Informationen („Geheimnisse“ an
Dritte)
— Lächerlich machen (z. B. verbal, mit Mimik, mit Gestik, durch
Karikatur)
— In der betrieblichen Öffentlichkeit unglaubwürdig machen,
blamieren, bloßstellen
— Gezielte negative Sonderbehandlung („nur der
Mobbingbetroffene wird so behandelt“)
— Demonstrative scheinbar positive Sonderbehandlung (z. B.
„Tot-Loben“)
— Psychische Erkrankung wird unterstellt
— Beschwerden durch Dritte werden erfunden (z. B. gefälschte
Briefe, Anrufe, E-Mails)
— Fingierte Schreiben des oder an den Betroffenen werden öffentlich
gemacht
6. Angriffe gegen das Selbstwertgefühl
— Demütigung, Erniedrigung, Blamage, Häme, Abwertung (verbal
und/oder nonverbal)
— Unterdrückung durch verbale Dominanz (z. B. Anschreien)
— Ruppige Redeweise mit dem Betroffenen
— Menschliche Qualifikation („Charakter“) wird bestritten
— Unterstellung böser Absichten, Dummheit, Unehrenhaftigkeit
etc.
— Verunsicherung, Kränkung, Beleidigung, Schmähung
— Gezieltes Attackieren und Ausnutzen von persönlichen
Unsi-cherheiten
— Persönliche Schwächen werden publik gemacht
— Aufbauschen von Fehlern und Unzulänglichkeiten („Herumrei-ten“)
— Gezielte Ungleichbehandlung (z. B. negative Sonderrolle,
Ungerechtigkeiten)
— Dauerkontrolle, übertriebene Kontrolle, berufliche Entmündigung
7. Angst, Schreck und Ekel erzeugen
— Angst und Schrecken erzeugen (z. B. Einsperren des
Betroffe-nen, Spinnen in den
Schreibtisch legen, tote Tiere im Büro
ablegen, elektrischen Kurzschluss herbeiführen)
— Ekel erzeugen (z. B. Stinkbomben sowie verdorbene Lebensmittel
werden im Büro versteckt)
— Einschüchtern, Bedrohen, Nötigen (z. B. Drohen mit dem
Arbeitsplatzverlust,
körperliche Gewaltandrohung)
— Anordnung, zum Arzt zu gehen, um die psychische Gesundheit prüfen
zu lassen
8. Angriffe gegen die Privatsphäre
— (Nächtlicher) Telefonterror
— Anrufe oder Besuche zur Kontrolle
— Bedrängende Aufforderungen, aus dem Urlaub und/oder aus
der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit
zurück zu kommen
— Schlechtmachen des Betroffenen bei Familienangehörigen,
Freunden etc.
— Familienangehörige ängstigen, angreifen, belästigen
— Sachbeschädigung an privaten oder beruflich genutzten Gegenständen,
Kleidung etc.
— Zuweisung schlechter Urlaubstermine
— Kurzfristige Zurücknahme zugesagten Urlaubs oder
Freizeit-ausgleichs
— Unterschlagung von Anträgen (z. B. wegen Urlaub, Bildung)
— Ständiges Abwerten privater Vorlieben, Interessen und Tätigkeiten
— Ständiges Abwerten religiöser, politischer,
weltanschaulicher Überzeugungen
9. Angriffe gegen die Gesundheit und körperliche
Unversehrtheit
— Offene körperliche Übergriffe, Gewaltanwendung
— Als Zufall oder Missgeschick getarnte Verletzungen beifügen
— Gezielte Anordnung von gesundheitsschädlichen Tätigkeiten
— Sabotage von Sicherheitsmaßnahmen; Verschwinden lassen von
Schutzmitteln
— Sexuelle Belästigung
— Heimliche Verabreichung von Medikamenten und/oder
Sucht-mitteln
(z. B. Alkohol bei einem abstinenten
Alkoholiker)
— Ungenießbarmachung oder Verunreinigung von Lebensmitteln
— Herbeiführen von gesundheitlichen Beeinträchtigungen (z. B.
Zugluft, Kälte, Hitze,
Lautstärke, Vibration, Tabakqualm,
Sprays, Stinkbomben)
— Ausnutzen von gesundheitlichen Handikaps und Krankheiten gegen
Betroffene
— Betroffenen zum Suizid auffordern
10. Versagen von Hilfe
— Ignorieren von Mobbingsituation (z. B. Wegschauen, Weggehen)
— Verharmlosen, Lächerlichmachen von Beschwerden
— Vorwürfe, Schuldzuweisung gegenüber dem Betroffenen
— Dulden von Mobbingvorgängen
— Unterlassene Hilfeleistung
Quelle: "Arbeitsrecht im Betrieb",
Ausgabe 7/2000, Seite 389